Die neue Seseke

Die Seseke ab Bönen diente jahrzehntelang als offener Schmutzwasserlauf, um das Abwasser der Region abzuführen.

Die Seseke 1938

Die Seseke 1938, Foto: Archiv LIPPEVERBAND.

Mit dem Auslaufen des Bergbaus in den 1980er-Jahren wurde zum ersten Mal die kanalisierte Form der Gewässer und die offene Abwasserführung in Frage gestellt. Bis dahin hatte es dazu keine echte Alternative gegeben. Geschlossene, unterirdische Kanäle für das Schmutzwasser wären durch anhaltende Bergsenkungen immer wieder beschädigt worden – die Verunreinigung des Grundwassers und die Schwierigkeit, Reparaturen durchzuführen, hätten alle
anfänglichen Vorteile zunichte gemacht.

Da die bergbaubedingten Bodensenkungen durch die Einstellung der letzten Schachtanlagen abklingen würden, entwickelte der LIPPEVERBAND mit maßgeblicher Unterstützung des damaligen NRW-Umweltministers Klaus Matthiesen das Sesekeprogramm, um die Seseke und ihre Nebenläufe wieder in eine abwasserfreie und naturnahe Flusslandschaft zu verwandeln. Vor der Umgestaltung des Sesekegebietes mussten zunächst an sämtlichen, zu offenen Schmutzwasserläufen umfunktionierten Bächen unterirdische
Kanäle verlegt werden – der langwierigste und aufwändigste Teil des Sesekeprogramms.

Foto: Archiv LIPPEVERBAND.

Kläranlage Lünen, Foto: Archiv LIPPEVERBAND.

Zwischen dem Ende der 1980er-Jahre und 2014 hat der LIPPEVERBAND durch den Bau von vier modernen Kläranlagen und rund 73 Kilometern geschlossene Abwasserkanäle eine neue abwassertechnische Infrastruktur im Einzugsgebiet der Seseke geschaffen. Seitdem fließt nur noch gereinigtes Wasser in der Seseke und ihren Nebenläufen. Das Schmutzwasser wird in parallel zum Gewässer verlaufenden unterirdischen Kanälen zu den Kläranlagen
in Bönen, Kamen, Dortmund-Scharnhorst und Lünen geführt und
dort gereinigt in die Seseke sowie ihre Zuflüsse Rexebach und Körnebach eingeleitet.

Nach der Befreiung von Abwasser konnten auch die Seseke und ihre Nebenläufe ökologisch verbessert werden: Die Seseke selbst wurde hierzu von einem gradlinigen, in Betonplatten gefassten Gewässer in einen naturnahen, geschwungenen Flusslauf umgestaltet. Dazu wurden die Betonschalen aus dem Flussbett entfernt, die Böschungen abgeflacht sowie Flachwasserzonen und Regenrückhalteflächen eingerichtet. Durch Initialpflanzungen sowie das Einsetzen von Kaulquappen wurden darüber hinaus Flora und Fauna angeregt, damit die Natur zurückkehren und sich neue Lebensräume erobern kann.

Foto: Rupert Oberhäuser, LIPPEVERBAND.

Die Seseke in Bergkamen, Foto: Rupert Oberhäuser, LIPPEVERBAND.

Im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 wurde der Umbau der Seseke durch das Projekt ÜBER WASSER GEHEN künstlerisch begleitet und so der Fluss wieder näher ins öffentliche Bewusstsein gerückt. An verschiedenen Standorten in Lünen, Kamen, Bergkamen, Bönen, Unna und Dortmund sind dabei neben einigen temporären 11 dauerhafte Kunstobjekte am und im Fluss entstanden, die sich mit dem Wandel von Natur und Landschaft auseinandersetzen. Von Bönen bis Lünen hat der LIPPEVERBAND außerdem einen Fuß- und Fahrradweg angelegt, der dazu einlädt, den neuen Erlebnis- und Naherholungsraum zu entdecken.